ALLE ANARCHISTEN MÜSSEN SITZEN!

„Wenn deine Gegenwart makellos ist, so untersucht man deine Vergangenheit.“
Georg Christoph Lichtenberg

Am 18. Juni 2012 wurde Alexander Pawelko nach Art. 120 des ukrainischen Strafgesetzbuches zu 7 Jahren Haft verurteilt. Der Artikel 120 bestraft die „Anstiftung zum Selbstmord“.

Den Hintergrund dazu lieferte ein im Jahre 2005 gegen Alexander eingeleitetes Verfahren wegen „elterlicher Fahrlässigkeit“. Sein damals 7-jähriger Sohn fiel bei einem Unfall aus dem Fenster. Das Verfahren wurde damals eingestellt.
Als Pawelko am 1. Mai 2012 wegen der „Vorbereitung und Durchführung terroristischer Akte“ verhaftet wurde, aber die ihm zugedachte Rolle als „Terrorist von Dnepropetrowsk“ nicht begründet werden konnte, wurde dieses alte Verfahren wegen „elterlicher Fahrlässigkeit“ wieder ausgegraben und rasch zu einer „Anstiftung zum Selbstmord“ umqualifiziert. Dafür sind in schweren Fällen 7 bis 10 Jahre Haft angesetzt. Sein Sohn, der bei dem Verfahren aussagen musste, nahm seinen Vater allerdings in Schutz. Die Meinung des Staatsanwaltes hatte aber mehr Gewicht. Dieser meinte offen: „Alle Anarchisten müssen sitzen!“

Wer ist Alexander Pawelko? Alexander wurde im Jahre 1971 geboren. Bereits recht früh schloss er Bekanntschaft mit der Justiz und der Welt jenseits der Gitter. Als Jugendlicher wurde er wegen dem Diebstahl eines Autos verurteilt, später kamen Raubdelikte hinzu. Im Gegensatz zu vielen, für die das Gefängnis eine „Schule des Verbrechens“ ist, verlief das Leben Pawelkos anders. Um das Jahr 2000 verabschiedete er sich von seinem vorherigen Umfeld. Seitdem verdiente er seinen Lebensunterhalt als einfacher Arbeiter – in den letzten Jahren als Speditionsfahrer und Transportarbeiter für ein Baugeschäft. Seit 2009 schloss er sich der anarcho-syndikalistischen Bewegung an, und steckte seitdem all seine Energie in den Kampf für die soziale Befreiung. In besonderem Maße widmete er sich seiner Selbstbildung, sowie Wegen und Möglichkeiten die Gesellschaft sozialer und freier zu gestalten. Diesen Weg halten ukrainische Gerichte offenkundig für falsch.

Nach den terroristischen Anschlägen in Dnepropetrowsk bekam Alexander Pawelko am 30. April 2012 Besuch von dem abschnittsbevollmächtigten Polizisten in Begleitung von unbekannten Personen in Zivil. Am nächsten Tag erfolgte die Verhaftung. Und der Verhaftung folgte einige Wochen später die „Feststellung“, dass der „Terrorist“ eigentlich ein „Anstifter zum Selbstmord“ ist.

Es mag dumm sein mit der kriminellen Welt zu brechen, sich stattdessen in der anarcho-syndikalistischen Bewegung für soziale Gerechtigkeit einzusetzen, dabei nicht links und rechts Mülltonnen als Bomben zu benutzen und auch niemanden zum Selbstmord zu bewegen. Und offenbar sind die nicht gerade wegen ihrer Rechtschaffenheit bekannten ukrainischen Richter der Meinung, dass sieben Jahre Straflager dafür angemessen sind. Der in der Ukraine berüchtigte Richter Anatoli Jaselskij wusste, was er tat, als er das Urteil verkündete.
„Alle Anarchisten müssen sitzen!“

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