Die „vergessenen“ Bombenanschläge von Dnepropetrowsk

Am 27. April 2012 fanden in der ukrainischen Stadt Dnepropetrowsk in den frühen Mittagsstunden mehrere heftige Explosionen statt. Durch die an verschiedenen Stellen der Stadt in Müllkübeln deponierten Sprengsätze wurden 29 Personen zum Teil schwer verletzt. Bis heute ist unklar warum und weshalb diese Anschläge stattfanden – vermutet wurde ein Bezug zur Fußball-Europameisterschaft 2012 bzw. ein Zusammenhang mit Machtspielen in der ukrainischen Politik.

Die ukrainische Regierung rief die Bevölkerung zunächst dazu auf, Ruhe zu bewahren. Gleichzeitig wurden in die Stadt Schützenpanzer zusammengezogen – wobei es angeblich auch Augenzeugen gab, die diese vor den Explosionen beobachtet haben wollten.

Wie dem auch sei – das ganze Geschehen wurde erstaunlich schnell vergessen. Vier Personen wurden als angebliche Täter gefasst – darunter zwei Mitarbeiter der Politologischen Fakultät der Universität von Dnepropetrowsk. Nach Version des Innenministeriums hätten sie versucht 4,5 Millionen US-Dollar zu erpressen.
Neben dieser Version wurden keine weiteren Bekenner- oder Erpressungsschreiben bekannt.
Die insgesamt vier völlig ziellosen Explosionen wurden schnell vergessen und werden für einen längeren Zeitraum wohl nur für die unmittelbar Betroffenen und deren Angehörige etwas bedeuten.

Was nebenher gänzlich in der Stille ablief, war die rührige Tätigkeit staatlicher Ermittlungsorgane. Über 2.000 Privatwohnungen wurden aufgesucht und zahllose „vorbeugende Gespräche“ mit Oppositionellen und solchen die dafür hinhalten müssen, durchgeführt. Dies betraf sowohl rechtsorientierte Aktivisten, wie linksorientierte oder Anarchisten. Die zeitgleich ebenfalls stattfindenden Durchsuchungen hatten dabei offenbar zum Ziel „islamistische Literatur“ ausfindig zu machen. Diese Begründung fand sich absurderweise auf Durchsuchungsbefehlen der Wohnungen von Marxisten und Anarchisten in Odessa. Wahrscheinlich war es lediglich reine Faulheit, welche die Ermittler veranlasste mit „religiöser Literatur“ Durchsuchungen bei ausgesprochenen Atheisten zu begründen.

Doch die verfressenen Staatsbeamten begnügten sich nicht damit.

Am 1. Mai 2012, dem Tag, an dem die Arbeiterbewegung der Welt der Chicagoer Anarchisten gedenkt, die bei der Erkämpfung des 8-Stunden-Tages ihr Leben gelassen haben, wurde Alexander Pawelko verhaftet.

Die Verhaftung erfolgte aufgrund angeblicher „Vorbereitung und Durchführung von terroristischen Akten in Dnepropetrowsk“ – d.h. es wurde ihm unmittelbar unterstellt daran beteiligt gewesen zu sein.

Alexander Pawelko hatte mit diesen Ereignissen nichts zu tun gehabt, und diese Beschuldigung wurde auch bald darauf fallen gelassen. Zumal wenig später die mutmaßlichen Täter gefasst wurden.

Alexander Pawelko wurde allerdings nicht aus der Haft entlassen. In einem Schnellverfahren wurden nun einfach die Haftgründe verändert, wobei Pawelko am 18. Juni 2012 zu sieben Jahren verschärfter Haft verurteilt wurde. Das Urteil erlangte Rechtskraft, und da Alexander Pawelko nicht die Mittel besaß um einen Rechtsanwalt zu bezahlen, wurde auch keine Berufung eingelegt. Seit diesem Zeitpunkt befindet er sich im Straflager.

Weiterführende Links:

zu Videomaterial zu den Anschlägen von Dnepropetrowsk

zu Fotomaterial zu den Anschlägen

zu den mutmaßlichen Tätern 1
zu den mutmaßlichen Tätern 2

zu der Truppenpräsenz nach den Anschlägen

zu den Durchsuchungen

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SPENDENAUFRUF

Am 1. Mai 2012 wurde in der ukrainischen Stadt Dnepropetrowsk durch den ukrainischen Staatssicherheitsdienst SBU Alexander Pawelko verhaftet, ein sozialer Aktivist, Organisator und treibende Kraft der libertären Gruppe von Dnepropetrowsk.

Unter Missachtung jeglicher Rechtsgrundsätze wurde Alexander Pawelko zu 7 Jahren Straflager verurteilt. Aufgrund der Abwesenheit von finanziellen Mitteln hat Pawelko bis heute keinen Anwalt und hat daher die Berufungsfristen seiner Verurteilung ungenutzt verstreichen lassen. Ein Jahr grundlose Haft – und sechs weitere Jahre in Aussicht. Der Prozess muss neu aufgenommen werden.

Dieser Blog macht es sich zur Aufgabe über den Fall Pawelko zu informieren, aber vor allem notwendige Solidarität zu organisieren. Es werden voraussichtlich ca. 3.000 € für die Wiederaufnahme des Verfahrens und die Bezahlung eines Anwaltes benötigt. Bei Interesse an einer Prozessbeobachtung bitten wir mit uns Kontakt aufzunehmen (z.Z. über die Kommentarfunktion des Blogs). Auch bei Interesse an weiterer Unterstützung sind wir gern behilflich Kontakte zu vermitteln, Informationen zu verbreiten und wo möglich zu koordinieren.

Die auf dem Konto eingegangenen Spenden werden direkt an die Unterstützer in der Ukraine überwiesen. Auf diesem Blog wird der Spendeneingang auf dem Konto sowie die Rechenschaftsberichte zu der Verwendung der Spenden dokumentiert werden.

Wir bitten um Spenden auf folgendes Konto:

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